Viele. viele Burgen......

Die bewegte geschichtliche Entwicklung Luxemburgs spiegelt sich auch heute noch in den sehr zahlreichen Burgen wieder, die über das ganze Land verstreut sind. Einige davon sind nur noch als Ruinen erhalten, andere wiederum wurden mit viel Sorgfalt gänzlich restauriert.

Burgen sind kennzeichnend für das luxemburgische Landschaftsbild. Von den 109 im Mittelalter bestehenden Burgen und Schlössern sind heute noch 76 ganz oder teilweise erhalten.

Zu erklären ist diese wahrhaftige Konzentration an Herrschaftssitzen, auf nicht mehr als 2.600 qkm, durch die Einfälle und Eroberungen, die das Land erfuhr, durch eine politische unstabile Lage sowie die Macht des ländlichen Adels.

Am häufigsten errichteten die Herren ihren Wohnsitz auf einem Felsvorsprung oder -kegel, von dem sie ein ganzes Tal überblicken konnten. Nur selten wurde in den Tälern gebaut, und die Wassergräben, die diese Bauwerke umgaben und schützten, sind heute längst ausgetrocknet.

Kleines Burgen-ABC

 

Bergfried ( auch Burgfried):

höchster und festester Turm einer Burg.

Sein Eingang lag 6 - 12 m über dem Boden und war durch eine Leiter zu erreichen, die im Notfall umgestoßen wurde. Im untersten Geschoß über dem Felsboden war meist das Burgverließ untergebracht, in das die Gefangenen mittels einer Winde durch ein Loch in der Decke - dem einzigen Zugang - heruntergelassen wurden. Darüber befanden sich zwei bis vier Stockwerke, von denen eines mit Kamin, eines mit Aborterker ausgestattet war.

Burg:

zugleich Festung und Wohnsitz

Castellologie:

wissenschaftliche Disziplin, die sich mit der Erforschung der vielschichtigen Aspekte der Burgen befasst.

Donjon:

großer Turm, der, ohne Dauerwohnung zu sein, mit seinen großen Räumen in Notzeiten alle Burgbewohner aufnehmen konnte.

Festung:

diente einzig militärischen Zwecken.

Kapelle:

fehlte in keiner Burg, wobei sie in kleineren Burgen oft nur aus einer Altarnische oder einem Erker bestand. Wenige Burgen hatten übereinanderliegende Doppelkapellen, die durch eine Öffnung in der Decke miteinander verbunden waren / z. B. Burg Vianden). Oben wohnte die Herrschaft dem Gottesdienst bei, unten lauschte das Gesindel.

Kemenatenbau:

Nebengebäude mit Wohn - und Schlafräumen der Burgherrschaft ( nicht immer nur der Frauen, wie häufig angenommen!)

Palas:

Herrenhaus der Burg mit Küchen, Kellern und Vorratsräumen, im ersten Obergeschoß befand sich meist ein Saal oder eine Halle.

Pechnasen:

nach unten offene und nach vorne mit einem Guckloch versehene kleine, erkerartige Vorbauten über Toren und Eingängen, durch die kochendes Wasser, siedendes Öl oder Pech auf den Feind geschüttet wurde.

Schalenturm:

halbrunder, zum Burginnern offener Mauerturm, der, falls vom Feind eingenommen, diesem keinen Schutz gegen die Verteidiger in der Hauptburg bieten sollte.

Schloß:

unverteidigte, adelige Behausung.

 

"Hinter jeder Biegung eine Burg..."

ist eine Bemerkung, die für das Großherzogtum fast wörtlich zu nehmen ist.

Kaum ein anderes Land hat im Verhältnis zu seiner Fläche so viele Burgen und Schlösser wie Luxemburg.

Zu den ältesten Burganlagen auf luxemburgischen Boden gehören großräumige Abschnittsbefestigungen, wie der 10 ha umfassende Burggruef über dem Tal der Eisch. Bei Gefahr konnten sich ganze Dorfgemeinschaften in diese vorsorglich angelegten Fliehburgen zurückziehen. Kleinere befestigte Anlagen, wie die etwa 1 ha große Aleburg bei Beaufort, dienten Stammesoberhäuptern und ihren Gefolgen als geschützte Wohnstätte. Beiden Befestigungen gemeinsam ist ihre strategisch günstige Lage auf einem an drei Seiten steil abfallenden Bergvorsprung, deren Zugangseite an der Hochfläche durch Querwälle und Gräben gesichert wurde. Bei ungünstigem Gelände wurde die gesamte Wehranlage von einem Schutzwall umgeben. Die größte Anlage dieser Art war ein während der La-Te`ne - Zeit auf dem Titelberg bei Differdange errichtetes keltisches oppidum. Diese wohl bedeutendste stadtähnliche Siedlung der Treverer war ringsum von einer 2,8 km langen und mehrere Meter hohen Mauer mit Erdwall und davorliegendem Graben umgeben. Nach der Übernahme der Herrschaft durch die Römer nutzten diese hier wie vielerorts die gleichen Stätten für ihre dorfähnlichen vici und Castelle.

Was man heute gemeinhin als Burg bezeichnet, die Ritterburg, ist ein typisches Bauwerk der Feudalzeit. Sie entstand, als zwischen dem 9. und 10. Jahrhundert mit dem allmählichen Zerfall des Karolingerreichs auch der Schutz durch die königliche Zentralgewalt entfiel und die mächtigen Lehnsherren auf eigenhilfe angewiesen waren. Nachdem Kaiser Konrad II. im Jahr 1037 die Vererbbarkeit aller Lehen eingeführt hatte, erlangte der Bau von Burgen Hochkonjunktur. Erbteilung lies die Anzahl der Lehnsherren und damit der Burgen sprunghaft ansteigen, waren doch Erweiterungen bestehender Burgen wegen des limitierten Platzes auf den Felsen kaum möglich.

Nach einer über vier Jahrhunderte anhaltenden Blütezeit der Burgen setzte um die Mitte des 15. Jahrhunderts deren Niedergang ein, der sich über mehrere Jahrhunderte hinzog. Nach der Erfindung weitreichender Feuerwaffen sank die strategische Bedeutung der Trutzburgen erheblich. Unzählige Burgen wurden zwischen 1684 und 1690 von den französischen Besatzern geschleift. Viele der dann noch bestehenden Anlagen mußten aufgegeben werden, nachdem mit der französischen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts die Frondienste abgeschafft worden waren und den Burgherren dadurch die materielle Grundlage entzogen war.Gleichzeitig hatte sich ein Wandel in den Ansprüchen der verbliebenen Burgherren vollzogen, die zunehmend nach höherem Wohnkomfort trachteten. Dem Bedürfnis nach großen, luxuriösen Wohnräumen nachkommend, lies manch einer zu Füßen seiner Burg ein prächtiges Renaissance- oder Barockschlösschen errichten.